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vor 3 Stunden
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DIE QUAL DER WAHL ...

Diese Frage sorgt bei Rangnick für Kopfzerbrechen

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Mit zwei Siegen ist Österreichs Fußball-Nationalmannschaft erfolgreich ins WM-Jahr gestartet. Eine Frage dürfte Ralf Rangnick dennoch bereits beschäftigen: Wen nimmt er mit nach Nordamerika?


Österreichs Fußball-Nationalteam nimmt zwei Testspielsiege zum Jahresauftakt in die unmittelbare WM-Vorbereitung mit. Teamchef Ralf Rangnick sprach nach dem 5:1 gegen Ghana und dem 1:0 gegen Südkorea von „jeder Menge positiver Energie“, die in der Mannschaft zu spüren gewesen sei. In knapp sieben Wochen will er seinen Kader für das Turnier in Nordamerika bekannt geben. „Das wird sicherlich keine leichte Aufgabe“, meinte der Deutsche angesichts neu dazugewonnener Optionen.

Deadline Anfang Juni
Nennfrist für die 26-Mann-Kader bei der FIFA ist der 1. Juni um Mitternacht, also unmittelbar nach Österreichs nächstem Testspiel in Wien gegen Tunesien. Der Start der Vorbereitung erfolgt am 27. Mai aller Voraussicht nach am neuen ÖFB-Campus in Wien-Aspern. „Wir werden dort kein Casting mehr machen“, betonte Rangnick.

Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Sein Aufgebot will er vielmehr schon bei der Kaderbekanntgabe am 18. Mai verkünden. „Wenn es nicht ein paar Grenzfälle gibt gesundheitsbedingt, was sein kann, habe ich schon vor, den endgültigen Kader zu nominieren“, erklärte der Teamchef. „Ich möchte sowohl mir als auch den Spielern ersparen, dass sie dann nach vier oder fünf Tagen Campus nach Hause geschickt werden. Ich glaube, das braucht keiner.“

Halbes Dutzend Kaderplätze offen
Das Gedränge um die Plätze ist groß. „Insgesamt ist es mal nicht einfacher geworden“, sagte Rangnick über seine Selektionsaufgabe. Bei der ersten Zusammenkunft des Jahres sei kein Spieler abgefallen. „Alle haben im Prinzip aufgezeigt.“ Es hätten aber auch noch Akteure, die diesmal nicht nominiert waren, die Möglichkeit, sich zu empfehlen und aufzudrängen. „Zumindest die Feldspieler-Plätze 18 bis 23, da ist noch manches offen. Da gibt es sicherlich einen großen Konkurrenzkampf“, meinte Rangnick.

Man werde jede Feldspieler-Position für die WM doppelt besetzen. Dazu kommen noch drei Extraplätze. „Natürlich gibt es Spieler bei uns, die sich über die letzten Jahre zu so wichtigen Führungsspielern entwickelt haben, dass sie, wenn sie gesund bleiben, auf jeden Fall dabei sind“, betonte Rangnick. Ansonsten hänge viel von der Verfassung ab. „Ich bin schon ein großer Freund davon, die Tagesform der Spieler auch zu berücksichtigen.“

Alabas Fitness als Faktor
Mit einem Kaderplatz rechnen dürfen nach ihren Verbandswechseln samt gelungenen Debüts die ÖFB-Neulinge Paul Wanner und Carney Chukwuemeka. Die Konstellation in der Innenverteidigung hänge laut Rangnick auch davon ab, wie fit und gesund David Alaba ist. Gegen Südkorea gab der ÖFB-Kapitän nach seiner jüngsten Wadenverletzung ein 30-minütiges Comeback. „Es war von meiner Seite eigentlich nicht vorgesehen, dass er in einem der beiden Spiele zum Einsatz kommt. Aber der Prozess ist so gut verlaufen, dass es kein Risiko war und David auch selber spielen wollte“, erklärte Rangnick.

Bild: GEPA

Weil auch Maximilian Wöber nach seiner langwierigen Muskelverletzung noch nicht matchfit war, nutzte Marco Friedl als Linksfuß im Abwehrzentrum seine Chance. Der Werder-Bremen-Kapitän begann beide Partien. „Marco Friedl hat sicherlich in den letzten beiden Lehrgängen, und speziell in diesem, nochmal Eigenwerbung betrieben“, sagte Rangnick. Es sei hilfreich, wenn man in der Innenverteidigung einen Links- und einen Rechtsfuß am Feld habe. „Speziell im Spielaufbau hat das, wenn die Möglichkeit besteht, immer Vorteile.“

"Ich möchte sowohl mir als auch den Spielern ersparen, dass sie dann nach vier oder fünf Tagen Campus heimgeschickt werden. Ich glaube, das braucht keiner."Ralf Rangnickfan.at quote icon

Die Torhüter Alexander Schlager und Patrick Pentz haben ihre WM-Tickets sicher. Rangnick will definitiv nur drei Goalies mitnehmen. „Im Tor, finde ich, haben wir im Moment gar kein Problem. Wir haben die Qual der Wahl.“ Pentz erntete Sonderlob für eine starke Parade in der Endphase gegen Südkorea. „Auch Florian Wiegele hat einen richtig guten Eindruck gemacht im Lehrgang“, sagte Rangnick über den 2,05-Meter-Mann von Viktoria Pilsen. Wie der angeschlagene Tobias Lawal hätten aber auch Rapids Niklas Hedl oder WAC-Schlussmann Nikolas Polster noch „alle Möglichkeiten“.

„Ugly win“
Mit der Partie gegen Südkorea war Rangnick nur in der zweiten Hälfte „absolut zufrieden“. Die Koreaner seien „extrem kompakt, sehr körperbetont und trotzdem mit ihren drei schnellen Spitzen immer wieder brandgefährlich“ gewesen. „Deswegen war es für uns sehr wichtig, die Tiefe gut zu verteidigen.“ Die WM-Gruppenspiele gegen Jordanien und Algerien könnten durchaus ähnlich verlaufen, meinte der 67-Jährige. „Solche Spiele musst du dann trotzdem auch ziehen und gewinnen. Man muss auch mal einen ‘ugly win‘ (dreckigen Sieg) holen.“

Bild: GEPA

Im Vergleich zur Gala gegen Ghana sei es schwieriger gewesen. Wenn die letzten Pässe sauberer gespielt worden wären, wäre Konrad Laimer zweimal alleine auf den Torwart zugelaufen, mutmaßte Rangnick. „Aber das sind Luxusprobleme. Wenn wir als Mannschaft so auftreten wie in diesen beiden Spielen, bin ich guter Dinge, auch was die WM angeht.“ Mit Südkoreas Kapitän Son Heung-min hätte er vereinbart, dass sich beide sehr freuen würden, in einem fortgeschrittenen Stadium des Turniers noch einmal gegeneinander zu spielen.

Italien-Aus zeigt Schwierigkeit der WM-Quali
Solche Absprachen kann Italien nach dem Play-off-Aus im Elfmeterschießen gegen Bosnien nicht treffen. „Das zeigt, dass unsere Quali-Gruppe nicht so schlecht gewesen sein kann“, betonte Rangnick. Neben den Bosniern waren Rumänien, Zypern und San Marino die ÖFB-Gegner. „In Italien wird es ein mittleres Erdbeben auslösen“, meinte Rangnick. Dreimal in Serie nicht bei einer WM dabei gewesen zu sein, sei für ein Land wie Italien „eigentlich unglaublich“.

Obwohl durch die WM-Aufstockung auf 48 Teams drei europäische Starter mehr dabei sind, „war es alles andere als selbstverständlich, dass wir uns nach 28 Jahren wieder qualifiziert haben“, schlussfolgerte Rangnick. Sonst wären Länder wie Italien oder Dänemark ebenfalls vertreten. „Das zeigt, dass die WM-Quali noch immer kein ganz einfacher Wettbewerb ist.“


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